"Infos zur Kaninchen- und Nagerfütterung"

Allgemeines

Kaninchen gehören zur Ordnung der Hasentiere (Lagomorpha) und sind damit keine Nagetiere. Dennoch haben die Kaninchen das Bedürfnis zu einer nagenden Aktivität! Meerschweinchen, Chinchilla, Degu, Ratte, Hamster, Gerbil und Maus gehören zur Ordnung der Nagetiere (Rodentia). Die Hasen- und Nagetiere werden hinsichtlich ihrer Verdauungsphysiologie verschiedenen Spezies zugeteilt, den herbivoren und den granivoren (zum Teil insectivoren).

 

herbivor: Pflanzenfresser, sie besitzen ein großes Caecum, in welchem die Zellulose mikrobiell aufgeschlossen wird (Kaninchen, Meerschweinchen, Chinchilla, Degu)

 

granivor: Samenfresser/Körnerfresser, sie haben eine begrenzte Kapazität zur Verwertung von Zellulose (Ratte, Hamster, Gerbil, Maus)


Nährstoffe

Als Nährstoffe werden verschiedene organische und anorganische Stoffe bezeichnet, die von Lebewesen von Lebewesen und deren Lebenserhaltung aufgenommen und im Stoffwechsel verarbeitet werden. Die verschiedenen Nährstoffgruppen sind:

Rohasche (u.a. Mineralstoffe): Aufbau und Erhalt des Körpers, Regelung von Stoffwechselabläufen

 

Rohprotein: liefert essentielle Aminosäuren (Baustoff für Enzyme und Strukturproteine wie in Muskeln), Antikörper, Transportproteine, usw.

 

Rohfett: Energielieferant, liefert essentielle Fettsäuren, Baustoff für Hormone, Träger der fettlöslichen Vitamine, usw.

 

Rohfaser (u.a. Zellulose): notwendig für die Verdauung, beugt Darmerkrankungen vor

 

Stickstoff freie Extraktstoffe (u.a. Stärke und Zucker): Energielieferant, Aufrechterhaltung der Körpertemperatur

 

Hohe Gehalte an Rohprotein weisen zum Beispiel auf: Erbsen, Bohnen, Sonnenblumenkerne, Hefe

Hohe Gehalte an Rohfett weisen zum Beispiel auf: Öle, Leinsaat

Hohe Gehalte an Rohfaser weisen zum Beispiel auf: Luzerne, Grüner Hafer, Blätter

Hohe Gehalte an Vitaminen weisen zum Beispiel auf: Obst, Gemüse, Sonnenblumenkerne

Hohe Gehalte an Mineralstoffen weisen zum Beispiel auf: Gemüse, Blätter, Kürbiskerne, Blätter

Hohe Gehalte an Spurenelementen weisen zum Beispiel auf: Gemüse, Blätter, Kürbiskerne, Blätter


Inhaltsstoffe und Einsatzraten einiger häufig eingesetzter Komponenten

Alle Angaben der Inhaltsstoffe beziehen sich auf die Trockenmasse.

Weizen: 12%-14% Rohprotein, 1,5%-2,3% Rohfett, 2%-3% Rohfaser, 58%-65% Stärke

Gerste: 10%-13% Rohprotein, 2,5%-3,5% Rohfett, 4%-6% Rohfaser, 51%-55% Stärke

Hafer: 11%-12% Rohprotein, 4,5%-5,5% Rohfett, 10%-12% Rohfaser, 40%-45% Stärke

Mais: 7,5%-10,5% Rohprotein, 3,8%-4,5% Rohfett, 2,5%-3,5% Rohfaser, 61%-69% Stärke

Weizenkleie: 14%-17% Rohprotein, 3,5%-5% Rohfett, 9%-12% Rohfaser, 18%-20% Stärke

Zuckerrübenmelasse: 10%-14% Rohprotein, 0,2% Rohfett, 0%-0,5% Rohfaser, 0% Stärke

Luzerne: 14%-18% Rohprotein, 2,5%-3,5% Rohfett, 25%-30% Rohfaser, 0,5%-2% Stärke

Leinkuchen: 35%-39% Rohprotein, 5,5%-6,5% Rohfett, 10%-11,5% Rohfaser, 0% Stärke

Öl: 0% Rohprotein, 98%-99% Rohfett, 0% Rohfaser, 0% Stärke

Bierhefe: 51%-53% Rohprotein, 2%-2,5% Rohfett, 2%-3% Rohfaser, 0% Stärke

Biertreber: 25%-25,5% Rohprotein, 8%-8,5% Rohfett, 17%-18% Rohfaser, 4,5%-5% Stärke


Die Verdauung der Kaninchen und Nager

Die Verdauung von Kaninchen sowie Nager beginnt in der Maulhöhle, wo die Nahrungsbestandteile durch das sehr gründliche Kauen mechanisch zerkleinert und eingespeichelt werden. Hier findet bereits der erste enzymatische Aufschluss durch das stärkespaltende Enzym "Amylase" statt, welches in den Drüsen der Mundschleimhaut gebildet wird. Die Tiere haben ein kontinuierliches Zahnwachstum (beim Kaninchen 1-2 mm pro Woche), aufgrund dessen eine intensive Abnutzung erforderlich ist. Hamster haben die Besonderheit, dass sie eine Erweiterung der Maulhöhle haben, welche Backentaschen genannt werden. Die Haut über den Backentaschen ist sehr dehnbar, so dass das Tier den gesamten Tagesbedarf darin verstauen kann.

Der Magen macht beim Kaninchen, Meerschweinchen sowie Meerschweinchenverwandten (Degu und Chinchilla) etwa 15% des Verdauungstraktes aus und besteht aus einer dünnen Wand mit nur schwach ausgeprägter Muskulatur. Der Weitertransport der Nahrung ist daher nur durch erneute Futterausnahme und Nachschub möglich. Es bleibt immer eine Restmenge Nahrung im Magen, dieser ist nie ganz leer. Beim Kleinnager ist die Muskulatur im Magen-Darm-Trakt deutlich besser ausgebildet. Der enzymatische Aufschluss findet im Magen durch das proteinspaltende Enzym "Pepsin" sowie das fettspaltende Enzym "Lipase" statt, welche von Drüsen der Magenschleimhaut gebildet werden. Im Magen herrscht ein saures Milieu vor. Hamster haben die Besonderheit, dass der Magen durch einen Ringmuskel in zwei Abschnitte geteilt ist. Der erste Abschnitt erfüllt die Sonderfunktion, dass hier mit Hilfe von Mikroorganismen der Zelluloseabbau möglich ist. Erst im zweiten Abschnitt findet der enzymatische Aufschluss statt (saures Milieu).

Dann schießt der Dünndarm an. Der Dünndarm des Kaninchens hat eine Länge von 2,3 Metern. Der enzymatische Aufschluss findet hier durch diverse Enzyme statt, welche von der Magenschleimhaut, Galle sowie Pankreas gebildet werden. Die Endprodukte der gespaltenen Nahrungsbestandteile (z.B. Aminosäuren, Fettsäuren, Glucose, Vitamine) werden durch die Darmwand absorbiert und gelangen so in die Blutbahn um dem Organismus zur Verfügung zu stehen. Die Rohfaser passiert zum größten Teil unverdaut den Dünndarm und gelangt in den Blinddarm/Dickdarm.

Der Blinddarm des Kaninchens, Meerschweinchen sowie Meerschweinchen-verwandten (Degu und Chinchilla) nimmt etwa 43% des Verdauugstraktes ein und es wirken hier keine Enzyme, sondern er wirkt als Gärkammer. Die feinen Bestandteile sowie die Flüssigkeit des Nahrungsbreies gelangen in den Blinddarm, während die groben Bestandteile weiter in den Dickdarm geschoben werden. Die bisher unverdauten Feinpartikel werden von Mikroorganismen im Blinddarm abgebaut und die Abbauprodukte (zum Beispiel Harnstoff und Vitamine der B-Gruppe) werden mit dem Blinddarmkot/Weichkot ausgeschieden. Das Tier nimmt den Kot direkt vom After wieder auf und schluckt diesen runter. Der Kot ist mit einer schützenden Schleimschicht (Mucin) umgeben, welche diesen im restlichen Dünndarm verdaut werden kann. Auf diesem Weg nimmt das Tier Eiweiß, Zucker und Vitamine auf. Ein weiteres Abbauprodukt der Mikroorganismen sind die flüchtigen Fettsäuren, die im Blinddarm absorbiert werden und durch welche das Tier 1/3 seines Energiebedarfs deckt.

Im Dickdarm wirken ebenfalls keine Enzyme und dieser ist eine große Gärkammer, welche auf den bakteriellen Zelluloseabbau/Zelluloseverdauung spezialisiert ist (verschieden gut ausgeprägt). Die Stoffwechselprodukte des Abbaus sind flüchtige Fettsäuren (Essigsäure, Propionsäure und Buttersäure), welche im Grimmdarm absorbiert werden. Im Dickdarm wird aus den abtransportierten und nicht abbaubaren gröberen Bestandteilen des Nahrungsbreies der Hartkot gebildet. Beim Kleinnager ist der Blind- sowie Dickdarm nicht so gut ausgeprägt wie beim Kaninchen, Meerschweinchen und Meerschweinchenverwandten, diese können Zellulose somit nicht so gut verdauen. 


Ernährungsbedingte Krankheiten/Störungen

Zahnerkrankungen:

Aufgrund des kontinuierlichen Zahnwachstums müssen die Zähne des Kaninchen und Nagers stetig abgenutzt werden. Je nach Beschaffenheit des Futters werden die Zähne unterschiedlich beansprucht. Energiereiches Futter, wie Getreide oder gemahlenes Futter (Pellets und Extrudate), muss kaum gekaut werden und wird schnell abgeschluckt, während faseriges Futter, wie Gräser, Heu, Kräuter und Frischfutter lange gekaut werden muss.

Das Kaninchen ebenso wie der Nager hat einen bestimmten Energiebedarf (Erhaltungsbedarf + Bedarf für Leistung), welcher gedeckt werden muss. Von sehr energiereichem Futter wird weniger gefressen um satt zu werden, und somit ist kein optimaler Zahnabrieb gewährleistet.

Bei Kleinnagern sind Zahnerkrankungen kaum ein Problem, da bei diesen, wenn genug Nagematerial (zum Beispiel Äste) zur Verfügung steht, der Zahnabrieb hierdurch gewährleistet ist. Zusätzlich kann hier darauf geachtet werden, das nicht nur Futter bestehend aus weichen Komponenten, wie geschälten Sonnenblumenkernen, gefüttert wird, sondern auch ein großer Anteil harter Sämereien im Futter vorhanden sind.

 

Magenüberladung:

Der Magen von Kaninchen, Meerschweinchen sowie Meerschweinchenverwandten ist wenig dehnbar und hat sehr dünne Wände, so kann es bei Überladungen schlimmstenfalls zu Magenwandrissen kommen.

Zu den Überladungen kann es kommen, wenn stark quellendes Futter (Pellets oder Extrudate) gefressen wird, oder bei unregelmäßiger Fütterung, wenn also Hungerzeiten entstehen, und das Tier dann zu gierig und viel frisst.

Bei den Kleinnagern kommt es deutlich seltener zu Magenüberladungen, weil die Muskulatur im Magen-Darm-Trakt besser ausgebildet ist.

 

Durchfall/Diarrhö:

Durchfall entsteht durch Reizung der Darmschleimhäute, im späteren Stadium dann durch Entzündung der Schleimhäute. Beim Kaninchen, Meerschweinchen und Meerschweinchenverwandten ist die Darmschleimhaut sehr anfällig und entzündet sich sehr schnell. Die Reizung kann entstehen durch Fehlernährung (z.B. Süßigkeiten, falsche Leckerlis, viel Getreide), Giftstoffe, Infektionen oder eine gestörte Verdauung durch z.B. unzerkautes Futter, Fehlbesiedlungen oder Parasiten.

 

Harnkonkremente, Harnröhren-/Blasensteine:

Bei Kaninchen und Nager erfolgt bei steigender Calciumaufnahme keine Reduktion der Absorption, sondern eine Exkretion über den Harn (außer beim Chinchilla, hier auch über den Kot). Bei übermäßigem Calciumangebot kommt

es zur Bildung und Ablagerung calciumhaltiger Harnkonkremente oder sogar zu Weichgewebeverkalkungen. Da Frischfutter deutlich mehr Flüssigkeit beinhaltet als Trockenfutter, wird durch die Fütterung von diesem der Harnabsatz gesteigert. Größere Urinmengen spülen überflüssiges Calciumraus und die Gefahr von Harnsteinbildung sinkt. Außerdem weisen die verschiedenen Futtermittel verschieden hohe Calciumkonzentrationen auf.

Eine adäquate Menge an Calcium ist jedoch wichtig für das Tier!

 

Trichophagie:

Es handelt sich um eine Verhaltensstörung, welche bei mangelnder Nageaktivität bzw. Rohfasermangel auftritt. Und zwar verzehren die Tiere übermäßige Mengen an Haaren. Wenn dies über einen längeren Zeitraum geschieht, kann es zu einer Haarballenbildung kommen. Hierdurch wird das Magenvolumen verkleinert und es kann zu schwerwiegenden Verdauungsstörungen kommen.

Rohfaserarme Nahrung begünstigt die Krankheit, während das Füttern von Heu oder anderer rohfaserreichen Komponenten hier entgegen wirkt. Rohfaserreiche Pellets scheinen allerdings keine derartige Wirkung haben.

 

Verstopfung/Obstipatation:

Verschiedene Ursachen führen zu einer erschwerten oder gar keinen Darmentleerung, wie z.B. das Fressen von Katzenstreu, Strohpellets, Futterpellets oder anderen stark aufquellenden Dingen. Aber auch die Aufnahme von Fremdkörpern oder zu viel Fell kann zu Verklumpungen und damit zu Verstopfungen führen. Stark begünstigt werden Verstopfungen auch durch zu trockene Nahrung in Kombination mit zu wenig Flüssigkeitsaufnahme (kein freier Zugang zu Trinkwasser), da der Nahrungsbrei nicht weiterrutschen kann, Bewegungsmangel oder Verfettung.

Günstig zur Vorbeugung ist also eine faserreiche, feuchte Ernährung.

Bei Kleinnagern ist eine Verstopfung seltener anzutreffen, wenn jedoch meistens durch tumoröse Prozesse hervorgerufen. Auch hier kann ein Flüssigkeitsmangel eine Verstopfung begünstigen. Im Gegensatz zu der Fütterung von Kaninchen, Meerschweinchen und Meerschweinchenverwandten sollte der Rohfaseranteil in der Ration 10% nicht überschreiten, da die Kleinnager diesen dann nicht verdauen können, was wiederum Verstopfungen hervorrufen kann.

 

Blähungen/Tympanie/Trommelsucht:

Die Ursachen dafür, dass der Darm der Kaninchen, Meerschweinchen und Meerschweinchenverwandten aufgast, können z.B.  eine schnelle Futterumstellung, die Fütterung zu großer Futtermengen zu ungewohnten Zeiten, die Fütterung von vergorenem oder gar schimmeligem Futter, Zahnprobleme (unzureichend zerkleinerte Nahrung) oder eine Fütterung von Futter mit zu hoher Energiedichte oder Quellfähigkeit sein.

Da Kaninchen, Meerschweinchen und Meerschweinchenverwandte nicht aufstoßen können, gast der Magen der Tiere schnell auf. Daher ist es wichtig, dass es in der Verdauung zu keinem Stillstand kommt und der Weitertransport der Nahrung stets gewährleistet ist.

 

Verstopfung/Entzündung der Backentaschen:

Eine Ursache, dass die Backentaschen des Hamsters verstopfen oder sich entzünden können, ist zum Beispiel, dass der Zucker aus Leckerlis diese verkleben.