"Infos zur Pferdefütterung"

Dr. Britta Blank

Tierernährerin



Die Verdauung der Pferde

Die Verdauung beginnt in der Maulhöhle, wo die Nahrungsbestandteile durch das sehr gründliche Kauen mechanisch zerkleinert und eingespeichelt werden. Hier findet bereits der erste enzymatische Aufschluss durch das stärkespaltende Enzym "Amylase" statt, welches in den Drüsen der Mundschleimhaut gebildet wird.

Danach gelangt der Speisebrei in den ca. 18 Liter umfassenden Pferdemagen. Der enzymatische Aufschluss findet hier durch das proteinspaltende Enzym "Pepsin" sowie das fettspaltende Enzym "Lipase" statt, welche von Drüsen der Magenschleimhaut gebildet werden. Im Magen herrscht ein saures Milieu vor.

Dann schießt der Dünndarm mit einer Länge von etwa 20 Metern an. Der enzymatische Aufschluss findet hier durch diverse Enzyme statt, welche von der Magenschleimhaut, Galle sowie Pankreas gebildet werden. Die Endprodukte der gespaltenen Nahrungsbestandteile (z.B. Aminosäuren, Fettsäuren, Glucose, Vitamine) werden durch die Darmwand absorbiert und gelangen so in die Blutbahn um dem Organismus zur Verfügung zu stehen. Die Rohfaser passiert zum größten Teil unverdaut den Dünndarm und gelangt in den Dickdarm.

Der Speisebrei gelangt nun in den Blinddarm und Dickdarm, welche zusammen eine Länge von etwa 8 Metern haben mit aber einem doppelt so großem Volumen wie der Dünndarm. Dieser Teil des Verdauungstraktes des Pferdes ist der empfindlichste Teil. Im Blinddarm sowie Dickdarm wirken keine Enzyme, sondern diese sind eine riesige Gärkammer, welche auf den mikrobiellen Abbau von hauptsächlich der Rohfaser spezialisiert ist. Die Stoffwechselprodukte des Abbaus sind flüchtige Fettsäuren (Essigsäure, Propionsäure und Buttersäure), welche im Enddarm absorbiert werden. Hierdurch deckt das Pferd einen großen Teil seines Energiebedarfs. Auch die bisher unverdauten Feinpartikel werden hier zum Teil von den Mikroorganismen abgebaut. Deren Abbauprodukte sind zum Beispiel Harnstoff oder Vitamine der B-Gruppe.


Die Grundregeln der Pferdefütterung

  • Mehrere kleinere Portionen füttern. Da Pferde in der freien Laufbahn über den Tag verteilt fressen (die Futteraufnahme beträgt etwa 18 Stunden pro Tag), ist ihr Verdauungssystem nicht auf große Futterportionen ausgerichtet.
  • Nicht direkt vor dem Reiten füttern. Und auch nach dem Reiten sollten die Pferde erstmal zur Ruhe kommen und nicht direkt gefüttert werden. Auch während des Fressens sollten die Tiere Ruhe haben, um einem möglichen Schlingen vorzubeugen, was zu einer Schlundverstopfung führen kann.
  • Raufuttergabe vor Kraftfuttergabe/Ergänzungsfuttergabe. Dies ist wichtig um die Einspeichelung, Magensekretion und Darmaktivität anzuregen, bevor die Zufuhr an stärkehaltigen Bestandteilen erfolgt. Darüber hinaus ist der erste Hunger der Tiere durch die Raufuttergabe schon gestillt und es schlingt das Ergänzungsfutter nicht, was einer möglichen Schlundverstopfung entgegenwirken kann.
  • Feste, gleichbleibende Fütterungszeiten.
  • Etwaige Umstellungen in der Fütterung sollten langsam erfolgen, damit sich das Verdauungssystem der Pferde allmählich an die neue Fütterung gewöhnen kann.
  • Die Menge an Kraftfutter/Ergänzungsfutter sollte sich an der Arbeitsbelastung der Pferde ausrichten. Achten Sie aber auch hier auf die Regelmäßigkeit, die Futtermenge sollte sich nicht sprunghaft ändern.

Nährstoffe

Als Nährstoffe werden verschiedene organische und anorganische Stoffe bezeichnet, die von Lebewesen von Lebewesen und deren Lebenserhaltung aufgenommen und im Stoffwechsel verarbeitet werden. Die verschiedenen Nährstoffgruppen sind:

Rohasche (u.a. Mineralstoffe): Aufbau und Erhalt des Körpers, Regelung von Stoffwechselabläufen

Rohprotein: liefert essentielle Aminosäuren (Baustoff für Enzyme und Strukturproteine wie in Muskeln), Antikörper, Transportproteine, usw.

Rohfett: Energielieferant, liefert essentielle Fettsäuren, Baustoff für Hormone, Träger der fettlöslichen Vitamine, usw.

Rohfaser (u.a. Zellulose): notwendig für die Verdauung, beugt Darmerkrankungen vor

Stickstoff freie Extraktstoffe (u.a. Stärke und Zucker): Energielieferant, Aufrechterhaltung der Körpertemperatur

 


Inhaltsstoffe und Einsatzraten einiger häufig eingesetzter Komponenten

Alle Angaben der Inhaltsstoffe beziehen sich auf die Trockenmasse.

Weizen: 12%-14% Rohprotein, 1,5%-2,3% Rohfett, 2%-3% Rohfaser, 58%-65% Stärke, praxisüblich max. 30% Einsatzrate

Gerste: 10%-13% Rohprotein, 2,5%-3,5% Rohfett, 4%-6% Rohfaser, 51%-55% Stärke, 14,6 MJ ME (Pferd), praxisüblich max. 40% Einsatzrate

Hafer: 11%-12% Rohprotein, 4,5%-5,5% Rohfett, 10%-12% Rohfaser, 40%-45% Stärke, 13,1 MJ ME (Pferd), praxisüblich max. 80% Einsatzrate

Mais: 7,5%-10,5% Rohprotein, 3,8%-4,5% Rohfett, 2,5%-3,5% Rohfaser, 61%-69% Stärke, praxisüblich max. 40% Einsatzrate

Weizenkleie: 14%-17% Rohprotein, 3,5%-5% Rohfett, 9%-12% Rohfaser, 18%-20% Stärke, praxisüblich max. 30% Einsatzrate (günstige diätische Eigenschaften)

Zuckerrübenmelasse: 10%-14% Rohprotein, 0,2% Rohfett, 0%-0,5% Rohfaser, 0% Stärke, 13,6 MJ ME (Pferd), praxisüblich max. 6% Einsatzrate

Luzerne: 14%-18% Rohprotein, 2,5%-3,5% Rohfett, 25%-30% Rohfaser, 0,5%-2% Stärke, 9,8 MJ ME (Pferd), praxisüblich max. 40% Einsatzrate

Leinkuchen: 35%-39% Rohprotein, 5,5%-6,5% Rohfett, 10%-11,5% Rohfaser, 0% Stärke, 12,8 MJ ME (Pferd), praxisüblich max. 10% Einsatzrate

Öl: 0% Rohprotein, 98%-99% Rohfett, 0% Rohfaser, 0% Stärke, 37,4 MJ ME (Pferd), praxisüblich max. 10% Einsatzrate

Bierhefe: 51%-53% Rohprotein, 2%-2,5% Rohfett, 2%-3% Rohfaser, 0% Stärke, 15,8 MJ ME (Pferd), praxisüblich max. 3% Einsatzrate

Biertreber: 25%-25,5% Rohprotein, 8%-8,5% Rohfett, 17%-18% Rohfaser, 4,5%-5% Stärke, 13,3 MJ ME (Pferd), praxisüblich max. 3% Einsatzrate


Weitere Links

Wie viel Kraftfutter für Ihr Pferd die richtige Menge ist, kommt vor allem auf seinen Energiebedarf für Leistung, sein Alter und Körperbau an. Es gibt verschiedene Internetseiten, auf denen Formeln hinterlegt sind, wie Sie die genaue Futtermenge für Ihr Pferd berechnen können, zum Beispiel die Seite der Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen. Außerdem können Sie hier auch noch viele weitere Informationen zur Pferdefütterung finden.